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Karriere und Schwangerschaft

Zerbröckelt nun die Gläserne Decke?

Viele Frauen scheuen sich, während ihrer Schwangerschaft Karriereansprüche zu stellen. Solch ein Augenblick scheint ungünstig, um mit dem Chef in Gehaltsverhandlungen oder ähnliches zu gehen. Eine Amerikanerin macht nun vor, dass es nicht unmöglich ist, während einer Schwangerschaft Karriere zu machen.

Neuer Job und schwanger

Dienstag, der 17.07.2012, war der erste Arbeitstag von Marissa Mayer als neue Yahoo-Chefin. Die Top-Managerin von Google leitet nun ein Unternehmen, das derzeit auf der Stelle steht. Sie soll es voran bringen und den derzeit größten Anbietern im Web (Google und Facebook) Konkurrenz machen. Wäre da nicht noch eine winzige Nebensache: Die 37-jährige Yahoo-Chefin ist bereits im siebten Monat schwanger. Geplantes Geburtsdatum des Sohnes ist der 7. Oktober. Somit arbeitet Mayer noch gute zwei Monate in dem Unternehmen, bevor sie in Mutterschutz geht.

Doch Marissa Mayer ist ehrgeizig. Schon bald nach der Geburt möchte sie wieder von zu Hause aus arbeiten. Die Dauer des Mutterschutzes soll nur ein paar Wochen betragen, bevor sie wieder ihren Posten im Unternehmen einnimmt.

Der Kontrast: Deutschland – USA

Solche eine Handlung wäre in Deutschland gar undenkbar. Vielmehr werden hierzulande Frauen als Rabenmütter bezeichnet, wenn sie kurz nach der Geburt zurück an den Arbeitsplatz gehen. In der Regel haben Frauen nach der Geburt bis zu acht Wochen Mutterschutz.
Anschließend geht in Deutschland ein Großteil der Mütter in die Elternzeit. Solch eine gesetzliche Regelung zu Mutterschaftsurlaub oder Elternzeit gibt es in den USA nicht. Demnach haben die Frauen auch keinen Anspruch auf Zahlungen durch den Sozialversicherungsträger.

Durchschnittlich bleibt hierzulande eine Frau nach der Entbindung 11,4 Monate in Elternzeit. Demnach fällt sie in ihrem Unternehmen fast ein gesamtes Jahr aus. Da die Mütter in den USA keinen Rechtsanspruch auf Zahlungen haben, gehen sie wesentlich früher zurück auf Arbeit. Nur wenige unter ihnen haben das Glück, von ihrem Arbeitgeber einen Mutterschaftsurlaub für die Dauer von drei Monaten genehmigt zu bekommen. Ein Viertel aller US-Amerikanerinnen geht bereits zwei Monate nach der Entbindung ihres Kindes wieder zur Arbeit. 10 Prozent gehen sogar schon nach 10 Wochen wieder zurück an ihren Arbeitsplatz.
Doch beides, Karriere und Kind, unter einen Hut zu bekommen– das ist vielen Frauen in Deutschland noch immer ein Hindernis.

Die Gläserne Decke

Die Einstellung von Mayers entzündet eine Debatte um die Gleichstellung der Frau; um die Gläserne Decke – ein Begriff, der synonym für die Barriere im Karriereaufstieg steht, der viele Frauen im mittleren Management begegnen. Sie bleiben demnach auf ihrer aktuellen Position sitzen, während ihnen ein Aufstieg aufgrund ihres Geschlechts versagt ist.
Ist Yahoo nun der Vorreiter in der Diskussion um die Chancengleichheit von Frauen. Oder bleibt dieser Fall nur ein Einzelfall? Die Zukunft wird es wohl zeigen.

 

 


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