Betreut.de >
Magazin
>
Haus & Garten
>
Unnatürliche Ernährung
Medizinische Modifikationen mittels Gentechnik für Impfstoffe oder zur Gentherapie sind in der deutschen Bevölkerung mehrheitlich akzeptiert. Doch sobald es um den Kühlschrank und somit die Ernährung der Familie geht, entfacht eine Diskussion. Bundesagrarministerin Ilse Aigner stellt sich derzeit gegen die EU-Kommission, die eine Lockerung der Gentechnik-Richtlinien in der Lebensmittelindustrie beschließen will. Welche Veränderungen mit der Lockerung einhergehen würden und was dies gesundheitlich für die Familie bedeuten könnte, erfahren Sie hier. m
Diskussion um neue Werte in der Lebensmittel-Gentechnik
Das Ziel der EU-Kommission ist ein erhöhter Schwellenwert als Grenze des gentechnisch veränderten Anteils von 0,1%. Für Futtermittel wurde dieser Wert bereits 2011 beschlossen. Es wird erwartet, dass EU-Verbraucherkommissar John Dalli vor der Sommerpause einen ähnlichen Vorschlag bezüglich der im Handel zugelassenen Lebensmittel vorlegt.
Ein Vorteil wäre sicherlich eine wirtschaftliche Wachstumssteigerung, wenn beispielsweise Naturrohstoffe aus Ländern wie Argentinien, wo gentechnisch veränderte Pflanzen weitgefächert angebaut werden, im europäischen Raum eine breitere Verwendung finden könnten. Die Einsparung von Pflanzenschutzmitteln bringt nicht zuletzt auch für die Landarbeiter eine gesundheitliche Verbesserung mit sich.
Bundesagrarministerin Ilse Aigner will allerdings bei der Nulltoleranz-Grenze bleiben. Argumente für diese Einstellung sind die noch ungeklärten Risiken der grünen Gentechnik. Zwar gibt es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit nachweisen. Es fehlen aber Langzeitstudien, die dies bestätigen. Fest steht eine Reaktion des Immunsystems auf gentechnisch veränderte Nahrung im Verdauungstrakt. Welche Folgen das haben kann, bleibt unklar.
Der Effekt auf die Umwelt hingegen zeichnet sich deutlich ab. Ist eine resistente Genpflanze einmal gesät, kann sie kaum wieder zurückgeholt werden. In einigen Gebieten der Erde wurde die Kontrolle über deren Ausbreitung bereits verloren, was eine Ausrottung natürlicher Pflanzen und Lebewesen zur Folge haben kann.
Grüne Gentechnik und ihre Ist-Werte in Europa
Gentechnik ist in Europa nicht grundsätzlich verboten. Bisher gibt es 45 Gentech-Pflanzen, die als Futtermittel, Lebensmittelzusatzstoffe und Medikamente bereits zugelassen sind. Sowohl pflanzliche als auch Tierprodukte (Eier und Milchprodukte) können während Herstellung, Verarbeitung oder beim Transport mit ihnen in Berührung kommen. Bei 70% der Lebensmittel im Handel ist dies bereits der Fall.
Überschreitet der Anteil gentechnisch veränderter Organismen (GVO) die Marke von 0,9% ist die Kennzeichnung grüner Gentechnik verpflichtend. Tierprodukte und gentechnisch veränderte Bakterien gelten als Ausnahme.
Das freiwillige Siegel „ohne Gentechnik“ steht für Tierprodukte, die ohne gentechnisch veränderte Futtermittel entstanden, wobei die Freiwilligkeit die Lage des Verbrauchers verkompliziert.
Abgesehen von diesen Ausnahmen betreffs explizit zugelassener Gentech-Pflanzen ist die grüne Gentechnik in Europa noch untersagt. Vor allem für direkt zum Verzehr produzierte Lebensmittel gilt eine Nulltoleranz, sofern keine Kennzeichnung vorgenommen wurde. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit stellt fest, dass es noch keine reinen Genprodukte wie Fleisch oder Obst im Handel gibt. Einzig Lebensmittel aus dem Ausland, so beispielsweise Soja aus Asien oder Schokolade aus den USA) können laut Greenpeace Gentechnik-Spuren aufweisen.
M. Richter
13.06.2012